Natuerlich weiß ich nicht, welche Bedeutung die Sexualitaet fuer Sie hat. Jeder Mensch ist anders, hat andere Beduerfnisse, die er in den Vordergrund stellt. Aber ueber das Grundsaetzliche sind wir uns wohl fast alle einig: Es ist die schoenste (Neben)sache der Welt und alle streben danach! Warum wohl?

Wenn wir uns in diesem Punkt einig sind, sollten wir ueberlegen, wie gehen wir denn mit diesem Geschenk um oder wie sind wir damit bisher umgegangen? Sind wir wirklich voll zufrieden? Werden unsere Wuensche erfuellt? Warum laeuft es nicht mehr so wie frueher? Woher kommt das Desinteresse mit fortschreitenden Jahren an dem Partner/in? Warum ist es mit Andern anders? Sind meine Wuensche normal? Usw. usw….die Liste der Gedanken und Fragen koennte beliebig fortgesetzt werden.

Von einem Freund habe ich einmal gehoert „ach weißt du, in unserem Alter spielt das so keine Rolle mehr“. Im ersten Moment war ich etwas geschockt, denn er war immerhin noch ein paar Jahre juenger und für mich hatte es nicht an Bedeutung verloren, im Gegenteil. Als ich ihn dann in ein Gespraech zu dem Thema verwickelte, war ganz klar zu erkennen, dass er einfach kapituliert hatte und zwar vor sich selbst. Die Leute machen sich oft etwas vor und glauben es am Ende selbst, obwohl sie leiden.

Im Alten Testament heißt es „Im Anfang war das Wort (Idee, Gedanke)……“. Hier will ich nicht missionieren, wenngleich es ein heiliges Thema ist, doch will ich darauf hinweisen, dass wir nur dann etwas veraendern können, wenn wir uns dazu aufraffen, Ideen zu entwickeln und unsere Sprache zu gebrauchen. Und zwar gegenueber unserer Partnerin oder unserem Partner aussprechen, was wir in Bezug auf unsere Sexualitaet denken, wuenschen und brauchen.

Natuerlich weiß ich, dass das leichter gesagt als getan ist. Ich persoenlich war mir schon lange klar darueber, dass dies die einzige Moeglichkeit ist, etwas zu veraendern, aber es dauerte lange, lange Zeit bis ich endlich den Mut gefasst habe, wirklich alles in Sprache umzusetzen und zwar so umzusetzen, dass es auch klar verstanden wurde, ohne die beliebten Umschreibungen und Schoenfaerbereien. Vorher hatte ich es versucht mit diesen Methoden und den beruehmten Spruechen „man koennte/sollte“ und der Umschreibungen unserer sexuellen Organe und Taetigkeiten. Aber das kam einfach nicht an.

Also um es kurz zu machen, ich habe einfach ein Briefchen geschrieben, auf ihren Platz gelegt und sie um ein wirklich offenes Gespraech gebeten. Das Ganze wurde dann mit einem breiten Grinsen quittiert, da hatte ich schon gewonnen.

An einem der naechsten Abende, als nichts besonderes anlag, habe ich dann eine Flasche Wein aufgemacht und wir haben begonnen in dem wir erst einmal ein paar Regeln vereinbart haben:

  • Es duerfen auch „volkstuemliche“ Begriffe verwendet werden.
  • Wer spricht, wird nicht unterbrochen, der andere hoert dann nur zu.
  • Wir sollten uns nicht gegenseitig attackieren, sondern nur unsere eigenen Eindruecke und Wuensche darlegen und erlaeutern.

Das war eigentlich schon alles. Die Stimmung war gut und ich machte den Anfang, nachdem sie mir den Vortritt gelassen hatte. Ich will nichts ueber die Einzelheiten ausplaudern, aber ich sage Ihnen, es war ein voller Erfolg. Und dieser Erfolg hat ueber zwei Jahre angehalten und ist nur deshalb beendet worden, weil ein anderes weniger erfreuliches Ereignis eingetreten ist.

Sie glauben gar nicht, wie schwer mir der Anfang fiel und vor allem die Dinge beim Namen zu nennen und zwar ohne jegliche Umschreibung. Ich musste mir einen richtigen Ruck geben, die Wuensche und unsere Geschlechtsteile auch mit den „Fachbegriffen“ oder mit den volkstuemlichen Bezeichnungen zu belegen und auszusprechen. Ich glaube, das geht den meisten so. Aber schon nach kurzer Gespraechsdauer gingen uns die Inhalte dann doch leichter von den Lippen. Und danach war es auch kein Problem mehr. Ich musste erst einmal diese Blockade durchbrechen

Schon frueher habe ich mich gefragt, warum man mit seinem Partner nicht klar ueber die Dinge reden kann. Woher kommt dieser Hemmschuh? Auf der Straße oder in der Kneipe unter Maennern gibt es da keine besonderen Probleme, da fallen die Ausdruecke wie sie gerade in den Kopf kommen, aber bei der Liebsten……..

Ich kann nur jedem empfehlen, sich mit seiner Partnerin oder Partner von Zeit zu Zeit einmal über das Thema Sexualleben offen und ohne Hemmungen auszusprechen und auch in der Wortwahl nicht zimperlich zu sein. Es lohnt sich. –

Noch ein kleiner Satz als Nachtrag: Meine Frau sagte damals: „Wenn Du wuesstest, wie unter uns Frauen geredet wird“.